Sie wurden willkommen geheißen von Johannes Galow und seinem Schwiegervater Richard Götzinger. Die Gruppe hatte sich im neu eingerichteten Informationsraum, dem ehemaligen Schweinestall, versammelt und folgte aufmerksam den kurzweiligen und interessanten Ausführungen des Vollzeit-Schafwirtes Johannes.
Nach kurzer Vorstellung seiner Familiengeschichte mit Ehefrau Johanna und den zwei Kindern wurde mit einer Fotostrecke der Jahresablauf in der Schafzucht und seine intensive und engagierte Arbeit dokumentiert. Sein Bio-zertifizierter Familienbetrieb ist seit 2020 dem Bioland-Verband Hessen angegliedert und wirtschaftet ausschließlich nach den Richtlinien ökologischer Landwirtschaft. Seine Schafrasse „Coburger Fuchs“ ist eineanspruchslose und widerstandsfähige alte Landschafrasse, die früher besonders in kargen Mittelgebirgslandschaften weit verbreitet war. Johannes hat sich, statt auf Milch- und Fleischproduktion, mit seiner Schafrasse darauf spezialisiert, unsere Kulturlandschaft zu pflegen.
In mehr oder weniger großen Gruppen seiner insgesamt 186 Tiere ist er zwischen Zwingenberg, Heppenheim und Lampertheim unterwegs und lässt u.a. Solaranlagen, das Fürstenlager und Berghänge beweiden. Das Versetzen ist sehr arbeitsintensiv, erfolgt fast individuell im doppelstöckigen Hänger. Die Tiere lieben diese Transportart geradezu! Gerade im lokalen Bereich bewahren die „Coburger“ Steilhänge, Streuobstwiesen, Magerrasen- und Naturschutzflächen vor der Verbuschung. Durch diese Form der Landschaftspflege bleiben wertvolle Tier- und Pflanzenwelten erhalten. Die robuste Schafrasse kann und soll möglichst das ganze Jahr über draußen grasen und sich bewegen können. Selbst im Winter, mit eigenem Wiesenheu zugefüttert, schützt das Wollkleid die Tiere, lediglich sollte für Schutz vor Regen gesorgt werden.
Bewundernswert das Engagement des jungen Unternehmers, der sich natürlich auch auf die Erfahrung seiner Familie stützen kann. Organisation, Impfen, Scheren, Vermarkten u.v.m. hat er sich als Autodidakt beigebracht und auch zertifizieren lassen.
Nun beginnt bald die - durchaus vorgeplante - Zeit des Lammens, dann sind es ca. 80 Tiere mehr. Geboren werden die 1-2 Lämmer im Freien oder auch mal im schützenden Offenstall am Haus; manchmal muss auch eine Flaschenfütterung eingesetzt werden, die die Kinder gern übernehmen. Die artgerechte Haltung der Schafe mit der Wertschätzung für jedes einzelne Tier gewährleisten vorzügliche Produkte. Die Schaf-Schur, auch in Eigenarbeit, bringt innerhalb eines Jahres ca. 4 bis 5 kg Wolle pro Tier, die die Eigenschaft vor Kälte, aber auch vor Hitze zu schützen, auch nach Bearbeitung behält.
Das Wollfett Lanolin, was vor Nässe schützt, wird auch bei der vielseitigen Verwendung der Schafwolle genutzt. Gesäubert, gewaschen und getrocknet werden die Felle inzwischen in einem Großbetrieb in Belgien. Die Wolle wird beim anschließenden Kardieren aufgelockert, die Fasern zum Wollvlies gerichtet. Dieses ist atmungsaktiv und kann Feuchtigkeit sowohl aufnehmen als auch wieder abgeben, es wärmt und ist luftig leicht, ideale Eigenschaft für Bettdecken und Kopfkissen. Neu in der Vermarktung ist ein Langzeitdünger in Form kleiner Pellets aus reiner Bio-Schafwolle mit guter Handhabung und einfacher Lagerung; geeignet für Zierpflanzen und im Gemüsegarten.
Zum Abschluss kurz erwähnt und demonstriert wurde von Johannes die Produktionspalette Schaf- und Lammfelle, Ganzjahres- und Sommerdecken, Lammfell-Hausschuhe, Alpakasocken und Wollwesten; schließlich auch das Standbein „Lammfleisch aus ökologischer Tierhaltung“. Saisonal bedingt werden die Produkte aus der Schlachtung erst ab Spätherbst angeboten und stehen dann zusätzlich im neuen Hofladen zum Verkauf. Alles sehr zu empfehlen!
Respekt - danke und Määäh!