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Kirche zu Hause

Willkommen bei "Kirche zu Hause"!
Da nun alle Veranstaltungen wegen des Virus abgesagt sind und wir aus nachvollziehbaren Gründen in der Passions- und Osterzeit keine Gottesdienste mehr feiern dürfen, möchten wir Sie und euch mit einer Art "Osterkalender" bis zu den Feiertagen begleiten.


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Ostermontag, 13. April

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Ostern fällt nicht aus.
Die Osterbotschaft findet ihre eigenen Wege zu uns Menschen.

Was mich dieses Jahr besonders berührt hat:

  • Die bemalten Steine mit hoffnungsvollen Motiven, die an vielen Orten zu entdecken sind.
  • Die Klänge des Alphorns im Tal.
  • Die Blumen, die eine Frau vor der Kirche abgelegt hat zum Dank vor Bewahrung.
  • Die Osterkerzen an den Kirchen in Gronau, Schönberg und Zell, die über die Ostertage immer weniger wurden und die jetzt in den Häusern angezündet werden.
  • Der Blütenblätterregen.
  • Das Singen in der leeren Kirche.

Wir gehen weiter wie die Emmausjünger, denen der Ostermontag traditionell gehört. Sie gingen mit Jesus an der Seite, ohne ihn zunächst zu erkennen. Die Nähe des Unbekannten tat ihnen aber so gut, dass sie ihn baten: „Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget“. In der Gemeinschaft beim Abendessen erkannten sie ihn dann daran, wie er das Brot brach.

Ich hoffe, dass wir auch bald wieder mehr Gemeinschaft haben können und verabschiede mich. Der Osterkalender endet heute. Ich wünsche Ihnen einen Engel an die Seite.
Gott möge Sie begleiten und bewahren!

Ihre/eure Pfarrerin Uta Voll

Ostersonntag, 12. April

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Ostern ohne Gottesdienste - kaum vorstellbar. Noch dürfen wir keine Gottesdienste feiern, daher bieten wir auch für Ostern eine Video-Andacht aus der Ev. Kirche St. Anna in Gronau an.
Die liturgische Leitung hat Pfarrerin Uta Voll, die wie sonst in der Osternacht die neue Osterkerze entzündet. Musikalisch umrahmt wird die Andacht mit Gesang und Orgel (Konja Voll). Die Musik zu den Osterchorälen "Christ ist erstanden" und "Gelobt sei Gott" lädt zum Mitsingen ein.
(Kamera und Schnitt: Manuel Schmitt)

Zur Andacht gelangen Sie hier: Video-Andachten

Karsamstag, 11. April

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Stille

Von allen Tagen ist Karsamstag der stillste. Um Jesu Grab herrscht tiefe Ruhe. Eine Ruhe wie am siebten Tag der Schöpfung. Nach getanem Schöpfungswerk ruhte Gott. Es ist auch der Tag, wo Gott allein ist, alles schweigt, nichts wird erklärt. Es riecht nach kalter Erde und Stein.

Karsamstag fühlt sich an wie der Tag, nachdem alle Geräte ausgeschaltet sind. Alle Bemühungen, alle Angst einer Gewissheit weicht, dass es zu Ende ist. Nichts piepst mehr, nichts atmet mehr. Alles ist still.

Die Stille am Karsamstag könnte eine absolute Leere sein.

Gottes Ruhe an diesem Tag ist anders. Es ist eine Ruhe des Herzens, die uns umfangen kann, wenn wir selbst von Todesmächten umgeben sind. Es ist eine Ruhe, die eine unbeschreibbare Hoffnung bietet. Wir sind verwundbar, wir werden irgendwann sterben. Genau dort, wo wir so schwach sind, ist Gott auch mit seiner Ruhe und seinem Frieden.

Karfreitag, 10. April

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Zum Karfreitag bieten wir als Ersatz für den entfallenden Gottesdienst wieder eine Video-Andacht aus der Ev. Kirche St. Anna in Gronau an.
Die liturgische Leitung hat Pfarrerin Uta Voll. Musik: Mira Voll (Cello), Konja Voll (Orgel). Die Musik zum Choral "O Haupt voll Blut und Wunden" (EG 85) lädt zum Mitsingen ein.
(Kamera und Schnitt: Manuel Schmitt)

Zur Andacht gelangen Sie hier:
Video-Andachten

Gründonnerstag, 9. April

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Ein Tisch, gedeckt für ein festliches Essen. Der Tisch ist der Ort, an dem sich die Familie sammelt, oder Freunde. Er bildet den Mittelpunkt der Wohnung. Austausch findet hier statt, Absprachen werden getroffen, erzählt, gelacht  oder auch gestritten. Am Tisch ist Gemeinschaft.

Beim letzten Mahl sitzt Jesus mit seinen Jüngern zusammen. Der Gründonnerstag erinnert daran. Wir erleben, wie Nähe und Distanz sichtbar wird. Jesus teilt das Brot und den Becher zum Zeichen der Freundschaft, aber er sagt auch: „Einer von euch wird mich verraten“. Ich finde das einen wichtigen Gedanken, dass auch der Verräter mit am Tisch sitzt und Brot und Wein mit den anderen teilt. Die seltsamsten Leute werden mit am Tisch sitzen in Gottes Reich!

Heute findet kein „Feierabendmahl“ bei uns statt wie sonst, wo wir an Tischen sitzen und das Abendmahl zu Jesu Gedächtnis feiern. Und zu Hause sitzt vielleicht gar kein anderer mit am Tisch.

Wie könnte mein Gründonnerstag dann aussehen?
Vielleicht könnte ich über die Bedeutung der Worte meditieren, die beim Abendmahl gesprochen werden:

Christi Leib - für dich gegeben
Christi Blut - für dich vergossen

Und dazu gibt es Wein und Brot.

Mittwoch der Karwoche, 8. April

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Aus meinem Fastenkalender:

Wie ein dürrer Sand ist meine Seele, wenn ich zu dir beten möchte, nichts anderes fühlend als ihre eigene Unfruchtbarkeit. Mein Gott, verwandle du diesen Boden in eine gute Erde, damit dein Samen nicht umsonst in sie falle, wenigstens lasse auf ihr die Sehnsucht wachsen nach dir, ihrem Schöpfer, den sie so oft nicht mehr sehen will. Ich bitte dich von ganzem Herzen, zu dir rufe ich, „Du“ rufe ich, wenn ich auch nichts von dir weiß, als dass in dir allein mein Heil ist, wende dich nicht von mir, wenn ich dein Pochen nicht höre, öffne doch mein taubes Herz, gib mir die Unruhe, damit ich hinfinden kann zu einer Ruhe, die lebendig ist in dir.

Sophie Scholl, Studentin und Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime, 5. Juli 1942

Dienstag der Karwoche, 7. April

Ausgeliefert

„Einer von euch wird mich verraten“ sagte Jesus beim letzten gemeinsamen Essen mit seinen Jüngern. Das Leiden Jesu beginnt in dem Augenblick, in dem er ausgeliefert wird – durch Judas, der ihn verrät. Verraten – das Wort kann auch übersetzt werden mit: ausliefern, hingeben oder aushändigen. Dieser Augenblick ist ein Wendepunkt in Jesu Leben. Vorher war er der Aktive: Er hat gepredigt, geheilt, gelehrt und ist frei durch das Land gewandert.

Jetzt wird er der Willkür seiner Feinde ausgeliefert. Jetzt tut er nichts mehr, sondern ihm wird etwas angetan. Er ist passiv, ein Opfer. Für mich ist das wichtig zu sehen, dass Jesus nicht durch sein Tun zum Ziel kommt, sondern durch das, was an ihm geschieht.

Ich frage mich, ob das nicht für jedes Leben gilt: Das meiste entscheiden wir nicht selbst. Wichtig ist das, was andere für mich tun, oder was sie mir antun. Die Lebensumstände. Vieles habe ich nicht in der Hand. Das geht mir einerseits  gegen den Strich, denn ich habe gern die Dinge im Griff, bin gern aktiv, finde meine Entscheidungen (manchmal) wichtig.

Andererseits ist es eine gute Nachricht: Gerade im Erleiden und Passivsein wird Leben gefunden. „Vielleicht haben wir Menschen das mal gebraucht“, rief mir eine Passantin von der gegenüberliegenden Straßenseite zu, „dass alles ruhiger wird und wir zur Besinnung kommen“. Keiner braucht ein tödliches Virus (so war das auch nicht gemeint). Aber eine „Besinnung“ darauf, dass nicht alles von unserem Tun und Entscheiden abhängt – und dass im Passivsein neue Aspekte eines erfüllten Lebens zum Vorschein kommen können. Das könnte einer Welt, die nach Heilung sucht, ganz gut tun.

Montag der Karwoche, 6. April

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Zu ihrem Gedächtnis

In der Karwoche gerät das Leiden Jesu in unseren Blick. Eine stille Woche der Einkehr, der Konzentration auf den Weg, den Jesus gegangen ist – und auf das, was dieser Weg für uns bedeutet.

Jesus litt Unsägliches. Jedes Jahr aufs Neue hören wir davon, was Menschen anderen antun können und wieviel Leid sie verursachen und erfahren. Eine Geschichte, die sich wiederspiegelt in den Geschichten so vieler Menschen auch heute.

Dabei erlebt Jesus auf seinem Leidensweg nicht nur Schreckliches, sondern auch Zuwendung. In einem kostbaren Moment, kurz bevor Jesus Abschied nimmt, da kommt eine Frau zu ihm herein, Salböl in den Händen, und verschwendet ihre Liebe an den Freund: Mit einem wertvollen Öl salbt sie ihn, gießt es auf seine Haare, streicht es über seine Füße. Der Duft erfüllt den Raum. Wie sehr muss ihn das getröstet haben, seine Angst gestillt vor allem, was kommt. Als die Jünger sich über die Verschwendung des teuren Salböls beschweren, nimmt Jesus die Frau in Schutz und ehrt sie: „Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.“ (Matthäus 26, 6-13)

Kostbare Momente: Wo Menschen für andere da sind. Einkaufen für jemand. Wahrnehmen, wem es schlecht geht. Pflegen bis an die Grenzen der Kraft. Anrufen: Wie geht es dir so jetzt in dieser Zeit? Bilder schicken. Osterkarten schreiben. Forschen, was das Zeug hält.

Was wird nach dieser Krise im Gedächtnis bleiben?

Sonntag, 5. April - Palmsonntag

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Zum 6. Sonntag der Passionszeit bieten wir als Ersatz für den entfallenden Gottesdienst wieder eine Video-Andacht aus der Ev. Kirche St. Anna in Gronau an.
Die liturgische Leitung hat Pfarrerin Uta Voll. An der Orgel spielt Konja Voll, die Musik zum Choral "Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken" (EG 91) lädt zum Mitsingen ein.
(Kamera und Schnitt: Manuel Schmitt)

Zur Andacht gelangen Sie hier:
Video-Andachten

Samstag, 4. April

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Unsere beiden Schildkröten müssen noch drin bleiben. Erst bei warmen Temperaturen dürfen sie nach draußen in ihr Gehege. Im Moment gefriert es ja noch nachts. Sie verstehen das nicht. Drin in ihrer ziemlich großen Kiste versuchen sie, nach draußen zu klettern. Sie krabbeln an der Wand hoch, ohne Erfolg. Sie sind dabei sehr ausdauernd. Könnten sie sprechen, würden sie rufen: Lass mich raus, lass mich sofort raus! Ich sage dann zu ihnen: Ihr wisst doch, erst nachher, wenn es warm genug ist, kommt ihr in den Garten. Aber: Sie kapieren es nicht und krabbeln weiter sinnlos die Wände hoch. Schnell eine Handvoll Löwenzahn, dann sind sie abgelenkt.

Dieses An-den-Wänden-Hochkrabbeln möchten manche von uns vermutlich momentan auch. Nicht rauskönnen, nicht allem nachgehen können,  was man tun möchte, fällt (zunehmend) schwer. Wir verstehen immerhin, warum das so sein muss, bekommen es von morgens bis abends erklärt – und statistisch gesehen befürworten auch die meisten diese Schutzmaßnahmen. Trotzdem dürfen wir es traurig finden, wie vieles jetzt nicht stattfindet. Heute zum Beispiel wären wir mit einer Gruppe der Gemeinde im Odenwald gepilgert, den „St. Jost-Pilgerweg“, ein wunderschöner Weg bei herrlichem Wetter. Jetzt sind wir ganz anders unterwegs!

An den Stationen des St.Jost-Weges stehen manchmal Schilder mit Segensworten. Eines davon soll Sie und euch begleiten:

"Am Ende eines steinigen Weges möge dich die Wärme der Sonne empfangen." 
(irischer Segen)

Gleich ist es soweit: Luna und Fenoglio, unsere griechischen Landschildkröten, dürfen raus, dorthin, wo leckere Kräuter wachsen und die Steine von der Frühlingssonne angenehm gewärmt sind.

Freitag, 3. April

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Lebensraum Kirchturm

Wenn WIR schon wegen Corona nicht unsere St. Anna nutzen können: Für Vögel ist der Kirchturm nun bezugsfertig! Im Zuge der Renovierung wurde auch der Nistkasten wieder geöffnet, der jahrelang geschlossen war. Zwei Aktive des Nabu haben viele Eimer Vogeldreck den Kirchturm hinunter geschleppt, um den Kasten sauber und wohnlich zu machen. Jetzt hoffen wir, dass diese Brutmöglichkeit auch genutzt wird, vielleicht von Turmfalken oder Schleiereulen? Neulich wurde schon ein Falke gesichtet, der interessiert um den Kirchturm flog!

Schön, wenn unsere Kirche ein Ort ist, in dem Menschen und Tiere Heimat finden!

„Der Vogel hat ein Haus gefunden
und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen –
Deine Altäre, Herr Zebaoth,
mein König und mein Gott.
Wohl denen, die in deinem Hause wohnen;
Die loben dich immerdar.“ (Psalm 84, 4+5)

Donnerstag, 2. April

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Der Vorteil eines Blechblasinstruments: Man kann es auch noch 5 Häuser weiter weg hören (Es gibt einige Wenige, die das andererseits für einen Nachteil halten).

Wenn also die Bläserinnen und Bläser des Posaunenchores draußen blasen, können sich – bei offenem Fenster oder vom Garten aus - viele Menschen daran erfreuen. Ich finde es schön, dass sich unsere Bläser verabredet haben, zweimal die Woche Lieder zu spielen. Einzeln gemeinsam. Zusammen jeder für sich. Auf Abstand, aber im harmonischen Miteinander. Sie leben genau das vor, was im Moment so wichtig ist: Die anderen nicht aus dem Blick verlieren, aufmerksam füreinander sein, ohne direkten Kontakt. Und vielleicht einen Einklang finden (bei den Bläsern wird es uns vorgemacht, im „wirklichen Leben“ ist das manchmal nicht so einfach. Heute morgen habe ich gelesen: Wenn die Schulschließung noch länger andauert, werden die Eltern noch vor den Forschern einen Impfstoff entwickeln…).

Sonntags und donnerstags, einige Minuten nach 19.00 Uhr, sind also an manchen Orten Bläser/innen des Posaunenchors zu hören. Danke an euch!

Am Montag war eines der Lieder:
„Komm, heilger Geist, mit deiner Kraft, die uns verbindet, die Leben schafft!“ Verbindung trotz geschlossener Türen, das brauchen wir jetzt besonders.  Wir können Einiges dafür tun. Und bitten, wie in der dritten Strophe des Liedes:
Schenke uns von deiner Liebe, die vertraut und die vergibt. Alle sprechen eine Sprache, wenn ein Mensch den andern liebt.“

Mittwoch, 1. April

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Tageslosung für heute:

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. (Johannes 16,22)

Eine  5 - Minuten -  Meditation zu folgenden Fragen:

  • Was macht mich heute traurig?
  • Woran freue ich mich?
  • Wer hat Raum in meinem Herzen?
  • Was könnte es bedeuten, wenn Jesus kommt?

Zum Schluss noch einmal die Tageslosung lesen.

Wir würden gern bei den nächsten Videoandachten Ihre / eure Fürbitten aufnehmen. Bitte an die Mailadresse der Kirchengemeinde Gronau schicken. Die Fürbitte kann ausformuliert sein, oder einzelne Menschen- bzw. Berufsgruppen können genannt werden.

An: ev.kirchengemeinde.gronau@ekhn-net.de

U. Voll

Dienstag, 31. März

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Wie geht es zu Hause?
Einige unserer derzeitigen Konfirmand/innen haben sich dazu geäußert:

„Mir geht es so weit gut.
Ohne Sport ist es für mich nur leider echt nicht auszuhalten. Ich gehe oft joggen und mache Homeworkouts. Des Weiteren habe ich in dieser Zeit viel Zeit um zu backen und zu musizieren. Ohne Stress ist also auch mal ganz schön. Ich hoffe, dass es uns hier nur harmlos trifft und die Welt die Situation langsam in den Griff bekommt.“

„Jeden Tag mach ich eine kleine Fahrradtour um einfach mal abzuschalten. Ich mach mir Sorgen um meine Familie, ich hoffe dass alle diese Zeit gut überstehen.“

„Mir geht es weiterhin gut. Wir haben einige Schulaufgaben bekommen, die uns beschäftigen. Ich gehe öfter auch in diesem schönen Wetter spazieren oder verbringe Zeit Zuhause. Ich finde, die Lage in der wir uns momentan befinden, sollte man nicht unterschätzen, aber man muss jetzt auch keine Panik haben.“

„Das einzige worüber ich mir Gedanken mache ist, wie das mit dem Virus weitergeht, und ich mache mir Sorgen, dass meine Oma und meine Tante sich anstecken könnten.“

Montag, 30 März

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Der Computer ist mein Feind. Was ich immer ahnte, zeigt sich in diesen Tagen wieder. Es gibt (fast) nichts, was mich so aggressiv macht, wie dieses Ding, das mir, vermutlich absichtlich, das Leben schwer macht. Gerade läuft ja viel Kommunikation digital. Es wäre also wichtig, dass das funktioniert. Aber dann ist eine Videokonferenz: Die Einzige, die nicht auf dem Bildschirm zu sehen ist, bin ich. „Einfach rumprobieren“ – diesen Rat befolge ich lieber nicht. Bei anderen, die „einfach rumprobieren“, gibt es dann prima Lösungen. Wenn ich rumprobiere, sind danach wichtige Daten unwiederbringlich gelöscht. Seit ich versucht habe, Windows 10 zu installieren, ist der Zugang zu meinen dienstlichen Mails verschwunden. Am liebsten würde ich alles aus dem Fenster schmeißen. Wahrscheinlich bin ich zu alt.

Gestern Abend dann in den Nachrichten der Bericht über das Pflegeheim in Wolfsburg. Wieviel Leid bei Kranken und Sterbenden, bei Pflegern und Angehörigen!

Ich verordne mir mehr Gelassenheit bei Dingen, die nicht wirklich wichtig sind. Heute ist die nächste Konferenz. Es wird klappen. Und ich werde mich 10 Jahre jünger fühlen. (Danke, liebe und geduldige Assistent/innen!)

Sonntag, 29. März - Judika

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Zum 5. Sonntag der Passionszeit, dem Sonntag Judika, bieten wir als Ersatz für den entfallenden Gottesdienst wieder eine Video-Andacht aus der Ev. Kirche St. Anna in Gronau an.
Die liturgische Leitung hat Pfarrerin Uta Voll.
An der Orgel spielt Konja Voll, die Musik zum Choral "Holz auf Jesu Schulter" (EG 97) lädt zum Mitsingen ein.
Den Psalm lesen einige Gemeindemitglieder von zu Hause.
(Kamera und Schnitt: Manuel Schmitt)

Zur Andacht gelangen Sie hier:
Video-Andachten

Samstag, 28. März

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An diesem Morgen vor 75 Jahren wehte seit Nacht eine weiße Fahne vom Kirchturm in Gronau. Auch die „Panzersperre“ im Unterdorf war entfernt worden. Ohne weiteres Blutvergießen waren die Amerikaner gegen 10 Uhr von Zell her „schnell und geräuschlos“ in Gronau eingerückt. Endlich Frieden – und Trauer um viele Tote. Und Entsetzen über das Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen, bis heute, 28. März 2020. Nachzulesen sind die Ereignisse am Kriegsende in der Kirchenchronik des Pfarrers Clotz, der allerdings, da seit 1930 Mitglied der NSDAP, noch im selben Jahr vom Dienst suspendiert wurde.

Zum Nachdenken: „Die Traurigkeit nach Gottes Willen wirkt zur Seligkeit eine Umkehr, die niemanden reut.“ (2. Korinther 7,10)

U. Voll

Freitag, 27. März

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Aus meinem Fastenkalender :

Schweig still mein Herz
die Bäume beten.

Ich sprach zum Baum:
erzähl mir von Gott.
Und er blühte.

(Rabindranath Tagore. Schriftsteller, Maler, Musiker)

Donnerstag, 26. März

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„Zuversicht! 7 Wochen ohne Pessimismus“. Ob die Initiatoren der diesjährigen Fastenaktion wohl geahnt haben, wie nötig wir in den Wochen vor Ostern Zuversicht haben? Eher nicht.

Johann Hinrich Claussen schrieb schon 2019 in Vorbereitung der 7-Wochen-ohne-Aktion:

„Da der Deutsche an und für sich eher zum Pessimismus neigt und seine Befriedigung gern daraus zieht, mit schwarzen Prophezeiungen Recht zu behalten, sei hier an die Tugend der Zuversicht erinnert. Sie ist eine Gestalt der Freiheit, die sich traut, an die Möglichkeit des Guten zu glauben, und die Gelegenheit zur Veränderung ergreift.“

Beides – Pessimismus und Zuversicht - begegnet uns momentan in ausgeprägten Formen.

„Wenn Schreckensmächte von hinten heranpreschen und vor einem nur das dunkle Meer liegt, erlaubt die Zuversicht sich die Frechheit, weiter nach vorn zu gehen – festen Schrittes und mit einem festen Herzen – und mit Gottvertrauen zu schauen, ob sich nicht doch ein Rettungsweg öffnet.“

Unsere Glocken läuten nun – wie alle Glocken der Landeskirche und der Bistümer - jeden Tag um 19.30 Uhr.

U. Voll

Mittwoch, 25. März

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Gute Nachrichten! Ich sammle gute Nachrichten.

Zwischen den ganzen Corona-Tickern, Ausbreitungszahlen und Verschwörungstheorien gehen sie manchmal unter. Stopp: Natürlich informiere ich mich und will auf dem neusten Stand sein, traue dabei meinen seriösen Medien. Sehr wichtig. Aber daneben suche ich das, was mir gut tut, was mich vielleicht aufheitert, was mir zeigt: das Leben ist schön.

Beispiele: Eine allein stehende alte Frau hat jetzt wieder ganz viel Kontakt zu ihrer Nichte. Der war irgendwie verloren gegangen. Aber jetzt ruft sie regelmäßig an und macht die Einkäufe.

Oder: Dass die Kaiserkronen - Blumen aus dem Garten meiner Kindheit -, die ich im Herbst in die Erde gezwiebelt habe, schon 20 cm hoch gewachsen sind.

Oder: Die Pinguine im Zoo haben Freigang und schauen sich interessiert die Fische im Teich an.

Oder: Heute bekommt St. Anna den neuen Blitzschutz. Ätsch, Gewitter.

Bestimmt fällt Ihnen und euch noch mehr ein. Mein Tipp: Jeden Tag eine gute Nachricht aufschreiben und für Ostern aufheben, dann alles auf einmal lesen und sich freuen.

Dienstag, 24. März

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"Am schlimmsten ist die Ungewissheit" - sicher denkt das nicht nur das Geburtstagskind, dem ich telefonisch gratulierte und für "irgendwann später" einen Besuch ankündigte. Den allermeisten von uns geht es ja gesundheitlich gut. Aber nicht wissen, wann und wie das alles ausgeht, das macht zu schaffen. 4 Wochen, 2 Monate, ein halbes Jahr? Wenn wir das wüssten, ja, dann könnte man sich drauf einstellen: Das dauert 6 Wochen, dann könnte ich entsprechend vorsorgen und es gut aushalten. Aber vielleicht kommt es ganz anders...

Wir sind mit diesen Gefühlen nicht allein. In Psalm 13 ruft ein Mensch: "Wie lange soll ich mich sorgen in meiner Seele und mich ängsten in meinem Herzen täglich? Wie lange soll sich mein Feind über mich erheben?"

Wie lange noch? Er weiß es auch nicht. Die Ungewissheit knabbert an seiner Seele. Aber er hat ein Gegenmittel:
"Ich traue aber darauf, dass du so gnädig bist; mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst. Ich will dem Herrn singen, dass er so wohl an mir tut."

Ich werde jetzt erstmal ein bisschen vor mich hin singen.

U. Voll

Montag, 23. März

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Willkommen in der 2. Woche von „Kirche zu Hause“. Ausnahmenzustand. Der Blick aus dem Fenster heute morgen zeigt ein Stück Normalität: Auf der Baustelle der Märkerwaldstraße, Abschnitt Kirche – Hintergasse, wird gearbeitet. Die letzten Pflastersteine werden gegenüber an der Brücke verlegt. Auch auf dem Kirchturm sind zwei Maler in luftiger Höhe dabei, die Lamellen abzuschleifen. Eine Frau kommt mit voller Einkaufstasche vermutlich vom Grunemer Lädche. Alles normal.

Nur die Gruppen und Grüppchen fehlen, die sonst immer die Baustelle diskutieren. Und es ist insgesamt merklich stiller. Nicht zu sehen ist: Was die Menschen bewegt, die sich um ihre Arbeit sorgen, die sich einsam fühlen, die Angst um ihre Großeltern haben oder das Training vermissen. Bleibt in Kontakt.

Und bei allem Ausnahmezustand gilt die bleibende Zusage Jesu Christi: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.

Sonntag, 22. März - Lätare

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Zum 4. Sonntag der Passionszeit, dem Sonntag Lätare, bieten wir als Ersatz für den entfallenden Gottesdienst eine Video-Andacht aus der Ev. Kirche St. Anna in Gronau an.
Die liturgische Leitung hat Pfarrerin Uta Voll mit einer Andacht zum Weizenkorn.
An der Orgel spielt Konja Voll, die Musik zum Choral "Korn das in die Erde" (EG 98) lädt zum Mitsingen ein.

Zur Andacht gelangen Sie hier:
Video-Andachten

Samstag, 21. März

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Eltern machen gerade ganz schön was mit!

"Die Stimmung an Tag 5: Oskar: Ich will keine Radtour machen. Blöde Pups-Radtour. Ich will was gucken!"
"Max hat auch schon großflächig seinen Fußboden mit Buntstiften bemalt." (aus dem Familien-Chat)

Wir halten fest: Eltern sein ist an sich etwas Wunderbares (sagt die Pfarrerin, deren Kinder bereits erwachsen sind). Aber Eltern sein führt auch manchmal an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Besonders jetzt, wo wir enger und länger zusammen sind und manche Abwechslung, die sonst den Alltag verschönert, ausfällt.

Danke fürs viele Vorlesen, Spielen, mit den Kindern bauen und aufräumen, Streit schlichten, Basteln, die kleinen Oasen zwischendurch, das Essen zubereiten, Zuhören, Fragen beantworten, pflastern, Spazierenstehen, beim Einschlafen helfen... Tief durchatmen, lachen und jeden Tag eine (wenn vielleicht auch kurze) Zeit nur für Mama und Papa.

Freitag, 20. März

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Beim Grunemer Lädche und bei der Kirchengemeinde Gronau haben sich ca. 12 jüngere Menschen gemeldet, die für Ältere und Kranke einkaufen. Wer in der derzeitigen Situation nicht mehr aus dem Haus möchte, braucht nur anzurufen, die Liste durchzugeben - und etwas flexibel zu sein, falls die gewünschte Apfelsorte nicht vorrätig ist.

  • Grunemer Lädche: 06251/9399176
  • Ev. Kirchengemeinde: 06251/65136

"Wenn ich schwach bin, bin ich stark". Das ist heute die Tageslosung. Dass sie wahr ist, kann man nur glauben, wenn man es selbst erlebt. Gerade erfahren wir hautnah, wie zerbrechlich das Leben ist. Wir erleben uns als schwach, eingeschränkt und aufeinander angewiesen. Gleichzeitig ploppen gute Ideen auf, sind Menschen solidarisch und vernünftig. Echt stark!

"Wenn ich schwach bin, bin ich stark". Der chronisch kranke Paulus hat das geschrieben im 2. Korintherbrief. Seine Stärke wuchs aus einem vertrauensvollen Glauben.

Seit gestern läuten in allen Bensheimer Kirchen um 17.00 Uhr die Glocken. Zeit für ein Gebet für die Erkrankten, für die Menschen, die für andere in besondere Weise da sind - oder auch für die Flüchtlinge in Griechenland. Was euch eben wichtig ist. Oder einfach ein Vaterunser.

U. Voll

Donnerstag, 19. März

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Eine Trauerfeier im Freien, auf dem Gronauer Friedhof. Möglichst viel Abstand. Kein Händeschütteln, keine Umarmung, nicht einmal kurz über den Rücken streicheln. Wie tröstlich wäre körperliche Nähe. Das brauchen wir doch! Corona zwingt uns zur Distanz. Aber dann schaue ich auf: Die Menschen stehen zwar voneinander entfernt, aber man nickt sich freundlich zu. Die Sonne scheint durch die alten Bäume. Überall blüht es, als gäbe es kein morgen. Das Vogelgezwitscher hätten wir drin nicht gehört. Da fühle ich bei allem Abstand eine tiefe Verbundenheit in der Traurigkeit, in der Anteilnahme, im Hören auf gute Worte. Und wir singen ein Lied, das vielleicht Halt geben kann: "Meine Zeit steht in deinen Händen, nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir."

Mittwoch, 18. März

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Leider fällt ja auch der Konfirmandenunterricht aus. Ich habe zu den Jugendlichen gesagt, dass sie die Zeit nutzen können, um ihre "Auswendig-Texte" zu lernen. In jedem Jahrgang stellt sich irgendwann die Sinnfrage: Warum sollen wir Psalm 23 oder das Glaubensbekenntnis auswendig lernen - ist es nicht wichtiger, zu verstehen, was man glaubt, als etwas auswendig zu können? Außerdem kann man doch alles googeln. Klar: Wir machen uns auch viel Gedanken über Gott und den Glauben. Wir können (fast) alles googeln, auch beim Gottesdienst schnell mal im Handy das Glaubensbekenntnis nachgucken. Aber es gibt Situationen im Leben, da kann es wichtig sein, etwas in sich drin zu haben. Dann muss ich nicht erst lange suchen. Zum Beispiel den Satz: Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Und, liebe Konfis, wenn ihr dann nach der Konfirmation alles langsam wieder vergesst, hoffentlich bleibt dieser Satz aus Psalm 23 zurück: Du bist bei mir. Denn damit ist eigentlich das Wichtigste gesagt, was unseren Glauben ausmacht.

Eure Uta Voll

Dienstag, 17. März

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Die Zeit vor Ostern ist für den christlichen Glauben ganz zentral. Sie wird auch Passionszeit oder Fastenzeit genannt. Da merkt man schon, es geht in diesen Wochen um Verzicht: Ich verzichte auf etwas, um frei zu werden für anderes, für Gott oder für neue Erfahrungen im Leben. Nun verzichten wir ja gerade auf sehr viel und das unfreiwillig. Ob aus diesem Verzicht etwas Gutes wächst, wird man sehen. Es liegt auch an uns, ob es uns gelingt, mit der ganzen Zeit, die wir jetzt plötzlich übrig haben, positiv umzugehen. Zum Beispiel Dinge tun, zu denen wir sonst nicht kommen, oder auf gute Nachrichten achten. Ich habe mich heute morgen in der Zeitung besonders über eine Nachricht gefreut: Das Osterhasenpostamt bleibt geöffnet!

Ihre/eure Pfarrerin Uta Voll

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